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Dichtung und Wahrheit - Textbeiträge aus der 12B1/13B1
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Aufklärung am Ende des Passionsweges
Nathan der Weise- eine Rezension
Von einer Inszenierung des aufklärerischen Dramas "Nathan der Wiese", aufgeführt bei den Salzburger Theaterfestpielen 1984, erwartet man als junger Zuschauer nicht allzu viel. Trotzdem – so denkt man – müsste hinter Lessings Nathan doch irgendetwas Eindrucksvolles stecken, sonst wäre er nicht einer der Klassiker, die man kennen muss. Die Handlung stehe im Hintergrund, wichtig sei die Aussage, wurde uns Zuschauern im Voraus verkündet. Äußerst motivierend!
Von Anfang wird der Zuschauer mit einem eintönigen Bühnenbild und völlig übertrieben aufgesagten Dialogen gelangweilt. Ein Blick auf die Uhr ließ nach fast 45 Minuten den ersten Kulissenwechsel feststellen. Kulissen? Es handelt sich hierbei lediglich um ein paar blaue oder gelbe Tücher, manchmal sogar Stellwände. Für die Szenen in der Wüste wird ein Sandhaufen in der Mitte der Bühne inszeniert, der jedoch verdächtig dumpfe, hohle Geräusche von sich gibt, wenn die Darsteller ihn betreten. Natürlich, der wachsame Geist soll schließlich nicht durch prächtige Dekoration von der Handlung abgelenkt werden. Aber in bisschen Mühe hätte man sich bei der Gestaltung des Bühnenbilds schon geben können. Schließlich ist das Auge ein Teil des Theaterbesuchers, welcher für die nächsten Stunden auf seinem Sitz gefangen ist. Aber wie gesagt: auf die Aussage kommt es an!
Die Story an sich ist recht simpel: Wir befinden uns in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Nathan, ein reicher, jüdischer Kaufmann wird in den Palast des Sultans geladen. Dort soll er entscheiden, welche der drei monotheistischen Weltreligionen die beste sei. Da Nathans Wohlergehen von seiner Antwort abhängt, rettet er sich mit einem beschwichtigenden Gleichnis, welches ihm spontan einfällt. In dieser Szene erreicht das Drama seinen Höhepunkt – vorausgesetzt, der Zuhörer konnte bis hierhin folgen. Hin- und her gerissen zwischen Unverständnis und Verwirrung über diverse Nebenhandlungen und gähnender Langeweile fällt es dem wenn auch noch so motivierten Betrachter äußerst schwer, dem Spannungsaufbau zu folgen. Ab und zu fangen die Darsteller, scheinbar aus heiterem Himmel, so entsetzlich laut und theatralisch an zu schreien, sodass diese überdeutliche Artikulation eher eine Weckfunktion übernimmt, anstatt emotional mitzureißen, aber wenigstens wird man so kurz vor der wichtigsten Szene wachgerüttelt: Bevor Nathan nämlich seine so berühmte Ringparabel erläutert, kommt es zu einem – vorsichtig ausgedrückt- lauten Disput zwischen ihm und dem ungeduldig gewordenen Sultan. Dann – endlich – scheint sich der Nebel etwas zu lichten.
Der Bezug zwischen Handlung und Gleichnis wird erkennbar und wenig später scheinen sich auch alle anderen Konflikte der zuerst wirr erscheinenden Nebenhandlungen zu lösen. Judentum, Islam und Christentum finden ihr gemeinsames Happy End als gleichwertige Religionen; die Romanze zwischen der jungen Recha und ihrem Lebensretter dem Tempelherrn findet ein jähes Ende, denn am Schluss stellt sich heraus, dass alle im Stück involvierten Charaktere auf komplizierteste Art und Weise miteinander verwandt sind.
Wahre Geschwisterliebe anstatt kitschiger Liebesgeschichte also und, darauf kam es Lessing wohl an, Verbundenheit der Religionen durch symbolische Verwandtschaft.
Eine schöne Aussage.
Aber muss man sie an das Ende eines solchen Passionsweges von mehreren Stunden klassischen Bühnentheaters stellen?
Ann-Sophie Unger Zum Seitenanfang | |